Die letzte große Etappe führt von Raglan über die Wetterspitze und die Hunua Falls zurück nach Auckland.

Über die Wetterspitze zurück nach Auckland

Nach einer erholsamen Zeit im Tiny Home hieß es heute ein leicht wehmütiges letztes Mal: Packtaschen festzurren, rauf auf die Royal Enfield und die verbleibenden Kilometer in vollen Zügen genießen. Das Wetter hat noch einmal alles gegeben – ein heißer Jännermorgen im neuseeländischen Sommer.

Auf den Spuren der Ringgeister

Abseits der großen Highways ging es auf herrlich staubigen Schotterpisten tief hinein ins Hinterland in Richtung Port Waikato. Die Landschaft zeigte sich von ihrer besten Seite: Saftig grüne Weiden, sanfte Hügelketten und markante Kalksteinfelsen, die steil aus dem Gras ragen.

Eigentlich wollte ich die Wetterspitze von Süden aus über die Schotterstraßen erreichen – doch MyRouteApp hatte andere Pläne und plante die Route eigenmächtig um.

Bei diesem Anblick wird sofort klar, warum genau diese Kulisse als Wetterspitze (Amon Sûl) in Der Herr der Ringe: Die Gefährten weltberühmt wurde! Genau hier lagerten Streicher (Aragorn) und die vier Hobbits nach ihrer Flucht aus Bree, bevor sie in der Nacht von den Nazgûl umzingelt wurden und Frodo durch die Morgul-Klinge verletzt wurde. Ein gutes Gefühl, mit dem Motorrad mitten durch diese Kulisse Mittelerdes zu fahren.

Zwischenstopp bei den Hunua Falls

Als willkommene Abkühlung für die Augen folgte kurz vor der Metropole ein Abstecher zu den bekannten Hunua Falls. Der dichte, fast urzeitliche Busch umgibt den Flusslauf und den beeindruckenden Wasserfall. Auch wenn das markante Warnschild wegen tückischer Unterwasserströmungen dringend vom Baden abrät, war die Atmosphäre am Ufer eindrucksvoll.

Die Rückkehr und erste Schritte in der City

Nachdem ich mein treues Motorrad schweren Herzens retourniert habe, hat sich doch einiges an Wehmut breitgemacht. Das Abgeben der Schlüssel fühlte sich wie der offizielle Schlusspunkt eines guten Roadtrips an. Umso bewusster habe ich die anschließende Fährüberfahrt zurück nach Auckland genossen. An Bord der Clipper III von SeaLink war es angenehm ruhig – gut, um auf den roten Sesseln sitzend den Blick über das Wasser schweifen und die Erlebnisse der letzten Wochen Revue passieren zu lassen. Das AirBnb “AKW Luxury SKY Oasis” direkt am Hafen erwies sich als strategisch gute Wahl in Auckland.

Zurück in Auckland stehen nun noch ein paar entspannte Nächte auf dem Programm, um die Seele vor der langen Heimreise nach Österreich baumeln zu lassen. Bei strahlend blauem Himmel ging es am ersten Tag erst einmal zu Fuß durch die City. Vorbei an geschichtsträchtigen Fassaden wie dem imposanten Civic Theatre und dem historischen Ferry Building direkt am Hafen, wo am Abend die Boote im weichen Dämmerungslicht schaukelten.

Aussichten: Der Sky Tower

Ein Pflichttermin durfte natürlich auch nicht fehlen: Der Sky Tower. Schon von unten ist der Turm eine beeindruckende Erscheinung, aber die wahre Magie zeigt sich oben auf der Aussichtsplattform. Der 360-Grad-Blick über die Metropole, den Hafen, die Harbour Bridge und die vulkanischen Inseln wie Rangitoto Island im Hintergrund ist weit.

Vorausgesetzt natürlich, man ist schwindelfrei genug! Es kostet im ersten Moment echte Überwindung, sich auf die dicken Glasplatten im Boden zu stellen und hunderte Meter tief direkt auf die Ameisen-kleinen Autos auf der Straße zu blicken. Neben dem Panorama im goldenen Abendlicht gab es oben auf der Plattform sogar eine ziemlich skurrile Begegnung mit einer lebensgroßen Kuh-Statue direkt am Fenster. Ein Selfie vor dieser Kulisse musste sein!

Abschied von Neuseeland

Die letzten Stunden in diesem Land brachen an. Am nächsten Morgen zeigte sich das Wetter noch einmal von einer dramatischen Seite: Sonnenstrahlen brachen wie Scheinwerfer durch die dichte, dunkle Wolkendecke über dem Hafenbecken. Als die Nacht hereinbrach, erstrahlte die Skyline ein letztes Mal mit den blau beleuchteten Fronten von Deloitte und PwC im Dämmerungslicht.

Schließlich hieß es: Koffer packen und ab zum Flughafen. Am Abflugterminal stolpert man unweigerlich über das riesige, leuchtende „I ♥ NZ“-Schild, das komplett mit den kultigen neuseeländischen „Buzzy Bee“-Spielzeugbienen gefüllt ist. Ein passender, farbenfroher und wehmütiger Abschied von einem Abenteuer. Kia Ora, Neuseeland – du wirst mir fehlen!