Die Taroko-Schlucht war gesperrt.
Kurz vorher hatte es ein schweres Erdbeben gegeben, und die gesamte Region war nicht zugänglich. Stattdessen fuhr ich über die Berge nach Ren’ai als strategischen Zwischenstopp. Eine abenteuerliche Fahrt durch das Hinterland, wo sich wirklich Fuchs und Hase gute Nacht sagten. Die Straßen waren schmal und kurvig, ein kleineres Auto wäre mir lieb gewesen, aber es ging. Unterwegs kam ich an ein paar Schigebieten vorbei, die auf über 1.500 Meter Seehöhe lagen. Ziemlich frisch dort oben. Für Fahrer, die Bergstraßen nicht gewohnt sind, wäre das wohl eine Herausforderung gewesen – mit dem Motorrad hätte man sich eine Extraschicht anziehen müssen, aber im Auto regelte die Klimaanlage das. Ren’ai selbst war ein seltsamer Ort. Irgendwie schweizerisch angehaucht, aber gleichzeitig typisch chinesisch. Die Unterkunft war nicht auf ausländische Gäste ausgelegt, und die Verständigung lief eher schlecht als recht. Der Sun Moon Lake war für mich eine Enttäuschung. Ein Ort für chinesische Liebespaare – allein war man dort komplett fehl am Platz. Die Fahrt mit dem Boot über den See hätte ich mir sparen können, da gab es interessantere Orte. Das Frühstück im Hotel fiel sehr chinesisch aus: Congee und Tee. Immerhin nahm ich die Seilbahn ins Formosan Aboriginal Culture Village, und das war tatsächlich ziemlich interessant. Vor allem die Tatsache, dass Taiwan der Ursprung für viele Kulturen im Pazifik war. Interessante Tänze und Handwerkskunst, aber natürlich auch wieder touristisch inszeniert. Von dort ging es weiter nach Tainan. Die Temperaturen stiegen, es wurde schwül und unangenehm. Viele Westler waren mir auf der ganzen Fahrt bis dahin nicht untergekommen. Nach einer langen Fahrt quer durch den Dschungel gab ich das Auto zurück – direkt auf der Straße, ohne Parkplatz, eine fliegende Übergabe quasi. Auch in Tainan hatte ich wieder ein Airbnb, das eindeutig auf einheimisches Publikum ausgelegt war. Ich machte eine Walking Tour und lernte viel über die holländische Vergangenheit der Stadt. Taiwan wäre fast holländisch geblieben und später fast japanisch – ein Land, das mehrfach knapp an einer anderen Zukunft vorbeigeschrammt war. So besonders, wie alle immer sagen, fand ich das Essen in Tainan allerdings nicht.


































































