Taipei 101, Tempel und die komplizierte Sache mit dem Mietwagen.

Taipei

Taipei kannte ich schon, aber nur vom kurzen Umsteigen nach Südkorea. Diesmal habe ich es endlich auf das Taipei 101 geschafft, ein beeindruckendes Gebäude, das den Vergleich mit anderen Wolkenkratzern nicht scheuen muss. Die Stadt ist offen und voller Museen und Tempel. Viele Schätze aus Festland-China wurden hierher gebracht – vor den Kommunisten in Sicherheit, wie der amerikanische Guide auf der Free Walking Tour erklärt. Ein Amerikaner, der durch Taipeh führt, ist irgendwie komisch, aber er kann gut erzählen.

Das Hotel ist komplett auf Fantasy und Rollenspiel gethemed. Wusste ich vorher nicht. Im verwunschenen Wald frühstücken und eine Zauberseife im Bad haben – klingt albern, war aber irgendwie cool.

Am nächsten Tag hole ich den Mietwagen ab. Man trifft sich im Hauptbahnhof mit einem Mitarbeiter der Mietwagenfirma, der ein Schild in der Hand hält. In Taiwan ein Auto zu mieten ist überhaupt kompliziert: Die großen internationalen Anbieter gibt es hier nicht, und über Buchungsportale bekommt man auch keinen Wagen. Der internationale Führerschein gilt offiziell nicht, aber er wird trotzdem akzeptiert. Die politische Situation ist halt nicht einfach.

Ich bekomme einen nagelneuen Toyota Corolla Cross in Weiß mit Automatik. Zwei große Formulare muss ich noch ausfüllen. Mein Führerschein und Reisepass werden fotografiert, und ich muss einen Comic mit Verkehrszeichen durcharbeiten, bevor ich das Auto endlich bekomme. Gründlich sind sie.

Am Abend komme ich in Jiufen an, genau dann, wenn die Tagestouristen die Stadt wieder verlassen. Das Airbnb zu finden ist eine Challenge – die Anleitung zur Anfahrt ist unklar, und ich parke zuerst am falschen Parkplatz. Schnell korrigiert. Dann darf ich den Koffer den Hang hochschleppen zu einem kleinen Häuschen, mitten unter Einheimischen. Alles ungewohnt und fremd, aber irgendwie gemütlich. Wie in einem Studio-Ghibli-Film – nicht umsonst gilt die Stadt als inoffizielle Vorlage für Chihiros Reise ins Zauberland.

Im Gegensatz zu den Tagestouristen habe ich genügend Zeit: Ich erkunde die Stadt in Ruhe, besteige einen Berg und besuche das Goldmuseum. Den besten Bubble Tea der gesamten Reise bekomme ich hier. Flambiert.